Ein Lektorat ist wichtig. Und es ist der vermutlich größte Kostenfaktor bei der Buchveröffentlichung. Viele Selfpublisher arbeiten deshalb mit Testlesern zusammen. Was eigentlich auch mein Plan gewesen wäre. Wenn du aber schon einmal mit einem richtig gutem Lektorat zusammen gearbeitet hast, wirst du den Unterschied kennen und den Lektor oder die Lektorin nicht missen möchten. Letzen Endes ist ein Lektorat auch eine Investition in dich selbst. Es ist quasi ein 1zu1 Coaching, bei dem du genau deine Fehler zurückgemeldet bekommst und auch an dir arbeiten kannst.

In diesem Beitrag erfährst du, wo du Lektoren findest, wie du erkennst, dass sie gut sind und wie du Geld beim Lektorat sparen kannst.

Der Leserlichkeit halber verzichte ich auf die Anwendung der Genderform. Gemeint sind sowohl Lektoren als auch Lektorinnen.

Lektor ist nicht gleich Lektor

Damit kommen wir zum ersten Punkt, der nicht gerade erfreulich ist. Lektorat ist genauso wenig ein geschützter Begriff, wie Webentwickler. Weshalb sich jeder so nennen darf, der sich danach fühlt. Das ist auf der einen Seite gut, da jeder eine Chance hat auch ohne aufwendiges Studium in dem Bereich zu arbeiten. Auf der anderen verstecken sich auch viele Scharlatane dahinter.

Wenn ich mich durch die Buchwelt lese, frage ich mich bei manchen Büchern, ob die überhaupt jemand gegengelesen hat. Der Spannungsbogen fehlt, die Handlung ist widersprüchlich, die Charaktere blass und sogar unsympathisch, der Text steckt voller stilistischer Fragezeichen und noch dazu kommen jede Menge Rechtschreibfehler. Das ist leider nicht nur bei Selfpublishern so. Auch einige Verlage sparen am Lektorat.

Wie du einen guten Lektor erkennst

Um einen guten Lektor von einem schlechten zu unterscheiden, gibt es einige Dinge, die du im Vorfeld abklopfen kannst.
Der erste Anhaltspunkt sind Referenzen. Entweder schaust du im Impressum der Bücher nach, die du besonders gelungen fandest, wer das Buch lektoriert hat. Auf der Webseite des Lektorats sollten weitere Referenzen zu finden sein. Du kannst auch andere Autoren fragen, mit welchen Lektoren sie zufrieden waren.
Achte darauf, wie der Lektor nach außen hin auftritt. Wie gut ist seine Webseite aufgebaut? Werden dort mehrere Pakete und Durchgänge angeboten? Hat er einen Blog oder Social Media Kanal, auf dem er Schreibtipps gibt, um seine Expertise unter Beweis zu stellen?

Frag ein Probelektorat an

Manche Lektoren verlosen bei Gewinnspielen ein Probelektorat. Was ich persönlich als unprofessionell erachte. Denn ein Probelektorat sollte Standard sein und kostenlos. Bei einem Probelektorat schaut sich der Lektor mindestens drei Normseiten deines zu lektorierenden Manuskripts an, um abschätzen zu können, wie viel Arbeit nötig ist. Nicht jedes Manuskript ist in einem gleich gutem Zustand. Der eine Autor steht mit seinem Stil noch ganz am Anfang, während bei dem anderen eher etwas am Spannungsaufbau getan werden muss. Je nach Arbeitsaufwand, variiert auch der Preis für das Lektorat. Und wie soll der Lektor den Preis ohne ein Probelektorat abschätzen können?

Für dich ist das Probelektorat wichtig, um zu sehen, wie der Lektor arbeitet. Sei dir bewusst, dass du dein Buchbaby mit seitenweise Kritik zurückbekommen wirst. Das kann ganz schön niederschmetternd sein. Bei einem Probelektorat siehst du nicht nur, auf welche Fehler der Lektor achtet, du kannst auch sehen, wie er seine Kritik äußert. Ist sie konstruktiv und wirkt aufbauend? Oder gleicht sie gar einer Beleidigung?
Zum Vergleich habe ich die gleichen Normseiten an mehrere Lektorate geschickt und konnte daran sehen, wer auf welche Art von Fehlern achtet. Und wer welche übersieht. Letzten Endes hat der Lektor den Auftrag erhalten, bei dem ich das beste Bauchgefühl hatte, dass er auch zum Buch passt.

Aber wo findest du Lektoren eigentlich?

Ein paar Punkte habe ich eben schon genannt:

Du siehst, Lektoren tümmeln sich überall. Sei dir aber bewusst, dass die guten Lektoren oft Monate im voraus ausgebucht sind. Frag am besten schon mit der Fertigstellung des Manuskriptes bei deinem Wunschlektor an, damit er dein Buchbaby zeitlich einplanen kann.

Wie kann ich Geld beim Lektorat sparen?

Ein Lektorat bewegt sich preislich zwischen 3,50 € und 7,50 € pro Normseite. Das ist je nach Länge des Buches jede Menge Geld. Mit einem Durchgang ist es oft nicht getan. Und ganz ehrlich: Bei der Arbeit, die hinter einem Lektorat steckt, ist das eigentlich noch viel zu wenig. Wusstest du, dass Lektoren zu den am schlechtesten bezahlten Akademikern gehören?

Trotzdem achtet man zu Beginn seiner Autorenkarriere noch auf jeden Cent, den man ausgibt. Was gerade am Anfang ein Fehler ist. Betrachte dich nicht als Autor, sondern einmal als Unternehmer: Am Anfang investierst du in dich und dein Produkt, um dein Unternehmen wachsen zu lassen. Du verbesserst durch das Lektorat deinen Schreibstil, sodass du beim nächsten Buch weniger Fehler machst und damit ein günstigeres Lektorat erhältst. Außerdem gewinnen deine Leser einen positiven ersten Eindruck von dir und werden zu deinen Stammlesern, die auch das nächste Buch kaufen werden. Veröffentlichst du hingegen ein Buch, das vor Fehlern nur so wimmelt, wird der Leser beim nächsten Buch zögern, ob das Buch sein Geld und seine Zeit wert ist.

Abschließend habe ich noch ein paar Tipps, wie du beim Lektorat Geld sparen kannst.


Meine 10 Tipps, um Geld beim Lektorat zu sparen

1. Lerne dein Handwerk

Schreiben ist nicht nur Worte zu Papier bringen, die eine Geschichte erzählen. Schreiben ist vielmehr ein Handwerk, das du lernen musst. Viel passiert instinktiv, weil du den Aufbau eines Buches als Leser bereits kennst. Andere, vor allem stilistische Mittel, wirst du dir wie bei einer Reitstunde immer wieder in Erinnerung rufen müssen (Absatz tief, Fersen zurück. Show don’t tell, Aktiv statt passiv).

2. Überarbeite dein Buch selbst

Der Ratgeber So lektorieren Sie Ihre Texte von Sylvia Englert ist Gold wert. Mit der eigenen Überarbeitung kannst du grob geschätzt gut die Hälfte aller Fehler selbst beseitigen.

3. Such dir Testleser

Viele Augen sehen mehr als zwei. Wie du passende Testleser findest und ein aussagekräftiges Feedback erhältst, verrate ich dir bald in einem weiteren Blogartikel.

4. Werde Mitglied im Selfpublisher Verband

Denn über den Selfpublisher Verband erhältst du Vergünstigungen bei bestimmten Lektoren.

5. Gib Anfängern eine Chance

Nur weil sie noch nicht so viele Referenzen auf der Liste haben, heißt das nicht, dass sie nicht gut sind. Vielleicht mit noch nicht ganz so viel Erfahrung. Aber solange sie mit Engagement dabei sind, ihr Handwerk gelernt haben und das Gefühl für den Beruf haben, macht das die fehlende Erfahrung wieder wett.

6. Handle Rabatte aus

Ich bin selbst kein Freund vom Feilschen. Glaub mir, du hättest mich mal in Thailand sehen sollen. Gefühlt hätte ich die Hälfte meines Geldes sparen können. Aber höflich anzufragen, ob es möglich ist einen Rabatt zu bekommen, weil man zum Beispiel zwei Durchgänge bucht, statt nur einem, hat noch keinem geschadet.

7. Such dir einen Verlag

Auch eine Lösung des Problems, denn ein Verlag zahlt in der Regel ein Lektorat für dich. Wenn du selbst kein Geld übrig hast, um das Lektorat vorzufinanzieren oder keine riesige Followergemeinschaft, die dir das Lektorat über Crowdfunding finanzieren, dann gibt es noch immer die Möglichkeit, einen Verlag zu suchen. Aber Achtung: Nicht jeder Verlag ist bei der Investition ihrer Lektoren wirklich spendabel. Es hilft, wenn du dir ein paar Bücher des Verlages holst und ihre Qualität prüfst.

8. Lasse nur einen Teil lektorieren

Am besten hast du natürlich zwei Lektoratsdurchgänge und dann noch ein Korrektorat. Das geht natürlich ganz schön ins Geld. Bevor du dich von der hohen Summe abschrecken lässt, lass lieber nur einen Teil lektorieren oder buche nur einen Durchgang. Dabei kannst du schon viel lernen und mögliche Baustellen erkennen.

9. Frage nach einem Neukundenrabatt

Viele Lektoren bieten für neue Kunden einen Rabatt an, damit man sich erstmal kennenlernt und sich von der Leistung des Lektors überzeugen kann.

10. Frage nach einem Stammkundenrabatt

Damit man nicht bei jedem Buch das Lektorat wechselt, gibt es bei vielen Lektoren auch Rabatte für Stammkunden, um ihnen einen Anreiz zu schaffen, neben der guten Qualität, noch einen weiteren Grund zu haben, um zurückzukommen.

Welche Tipps hast du, um einen guten Lektor zu finden und Geld zu sparen?