Wenn du dein Hobby zum Beruf machst, musst du nie mehr Arbeiten“, sagen sie.
Warum nimmst du Geld dafür? Dir macht das doch Spaß“, sagen sie außerdem.

Siehst du den Widerspruch in sich? Auf der einen Seite soll man das tun, was man liebt und es ist großartig, wenn man damit sogar seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Auf der anderen darf Arbeit keinen Spaß machen, weil es ja sonst keine Arbeit ist.

Wie ist das mit Buchbloggern? Darf man Geld dafür verlangen, dass man ein Buch liest? Ist die Empfehlung eines Buchbloggers überhaupt noch etwas wert, wenn sie von Geld bestimmt ist und nur noch die Bücher von den Autoren empfohlen werden, die das meiste Kapital haben?

Ich arbeite seit fast einem Jahr im Marketing, habe in der Reisebranche angefangen und kenne daher auch das Influencer System. Und das sind Buchblogger: Influencer. Sie machen Werbung für dein Buch.

Wie funktioniert Buchmarketing?

Du hast ein großartiges Buch geschrieben und jetzt muss es nur noch den Weg in das Regale der Leser finden. Damit dein Buch unter all den Neuerscheinungen nicht untergeht, muss es sichtbar werden. Doch die Information, dass dein Buch im Handel verfügbar ist, reicht den meisten Lesern nicht aus, um dein Buch zu kaufen. Immerhin gibt es so viele weitere Bücher, für die man sich entscheiden könnte. Die Leser wollen erfahren, um was es in deinem Buch geht und warum es sich für sie lohnt, genau dein Buch zu kaufen.


  • Schritt 1: Deine Leser müssen erfahren, dass es dein Buch zu kaufen gibt
  • Schritt 2: Deine Leser müssen erfahren, warum es sich lohnt, gerade dein Buch zu kaufen

Bei meiner Familie und meinen Freunden funktioniert das hervorragend. Sie bekommen mit, dass ich ein Buch veröffentlicht haben, weil sie mir nahe stehen. Aber wie erreiche ich die breite Masse an Lesern? Ich kann unmöglich alle kennen und sie persönlich ansprechen. Natürlich hilft die Reichweite deiner Social Media Präsenz. Aber dass du dein Buch toll findest, ist selbstverständlich. Immerhin hast du es geschrieben und du hättest es nicht veröffentlicht, wenn du nicht von deiner eigenen Leistung überzeugt wärst. Warum also sollten die Leser dir glauben, dass dein Buch auch ihnen gefallen könnte?

Hier kommen Buchblogger ins Spiel. Sie reden über dein Buch, zeigen es, stellen ihre Meinung zu deinem Werk ins Netz und diskutieren mit anderen interessierten Lesern über den Inhalt. Damit verhelfen dir Buchblogger zu mehr Reichweite, mehr Sichtbarkeit und schaffen Vertrauen beim Leser, indem sie deinem Buch ihr imaginäres Siegel auf dein Buchrücken drücken.


Du möchtest noch mehr über Buchmarketing erfahren?

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Ist eine bezahlte Buchempfehlung überhaupt authentisch?

Der Buchblogger hat Geld für seine Arbeit bekommen. Damit ist die Meinung gekauft und die Empfehlung nichts wert.

Klingt im ersten Moment schlüssig, oder? Ich zeige dir jetzt, dass das bei guten Buchbloggern keineswegs der Fall sein muss.

Warum hört man auf die Empfehlung eines Buchbloggers und nicht auf die eines anderen? Weil der Buchblogger viele Bücher empfiehlt, die dem einem Leser gefallen. Man lernt, welche Blogger welche Geschmäcker haben und je häufiger sie mit ihren Empfehlungen ins Schwarze getroffen haben, bringt man ihnen Vertrauen entgegen.

Wusstest du, dass wir über negative Ereignisse zehn mal mehr reden, als über positive? Empfiehlt ein Buchblogger nun ein Buch, in dem es nur so vor Rechtschreibfehlern wimmelt oder das gar nicht den Geschmack seiner Community trifft, verliert er schneller das Vertrauen, als er es aufgebaut hat. Alle Bücher nur des Geldes wegen anzunehmen, ohne darauf zu achten, ob das Buch überhaupt zum eigenem Lesegeschmack und der Community passt, senkt die Glaubwürdigkeit eines Buchbloggers, lässt ihn Follower und Reichweite verlieren und schmälert seinen Erfolg. Ein Buchblogger sollte also darauf achten, dass die Qualität des Buches stimmt, das er empfiehlt, aber auch darauf, dass das Buch zur eigenen Zielgruppe passt.

Wie definiert man seine Zielgruppe?

Bei der Erstellung eines Exposés wird man nach der Zielgruppe für sein Buch gefragt. Und auch beim Marketing ist das eine der ersten Fragen, die man sich stellen sollte. Eine Zielgruppe sind die Personen, die man mit seinem Buch erreichen möchte – oder eben mit seinen Empfehlungen als Buchblogger.

Je klarer die Zielgruppe von außen zu erkennen ist, desto schneller wird der Entschluss gefasst, einem Buchblogger zu folgen. Ein Blogger, der heute Krimis empfiehlt, morgen Liebesromane und am nächsten Tag Horrorgeschichten, ist nicht so einfach einzuordnen, wie einer, der durchweg Reiseromane mit Lovestory für junge Erwachsene empfiehlt. Ein Buchblogger sollte eine klar erkennbare Zielgruppe haben, die auch der deines Buches entspricht.

Sind bezahlte Rezensionen nicht verboten?

Der Buchblogger mit der richtigen Zielgruppe ist gefunden, er hat sich von der Qualität deines Buches überzeugt und nun geht es ans Geschäftliche: Er bekommt Geld dafür, dass er dein Buch empfiehlt oder sogar rezensiert.

Bei dem ein oder anderen schrillen vielleicht gerade die Alarmglocken: Bezahlte Rezensionen sind nämlich verboten.

Sogenannte Fake-Bewertungen – Bewertungen, deren Grundlage nicht die eigene Meinung, sondern das geflossene Geld ist – sind verboten. Zum einem sind diese Bewertungen wettbewerbswidrig, sodass Abmahnungen von Konkurrenten drohen können. Zum anderen verstößt man in vielen Fällen gegen die AGB der Plattformen, auf denen diese Fake-Bewertungen und Rezensionen gepostet werden oder gar gegen die Community-Richtlinien.

Quelle: Interview mit Fachanwalt Karsten Gulden auf ProvenExpert

Du darfst dir also nicht die Meinung eines anderen kaufen. Der Buchblogger muss seine Meinung frei von Weisungen ausdrücken können. Und die Werbung in Form von einer bezahlten Empfehlung muss als solche gekennzeichnet werden, damit ein Leser zwischen freiwilligen Empfehlungen und bezahlten unterscheiden kann. Dazu erkläre ich dir mehr in meinem Artikel Werbekennzeichnung von Beiträgen – Was Buchblogger zu beachten haben.

Zusammengefasst ist zu sagen: Ja, man darf für Werbung bezahlt werden, wenn man diese Werbung entsprechend als solche kennzeichnet und frei ist, seine eigene Meinung zu äußern, auch, wenn diese schlecht ausfällt. Natürlich besteht immer noch das Risiko, dass eine bezahlte Bewertung durch den finanziellen Reiz positiver ausfällt, als bei einer nicht bezahlten, weshalb die Kennzeichnung unumgänglich ist.

Muss ein Buchblogger mein Buch gelesen haben, um es empfehlen zu können?

Du betrittst eine Buchhandlung und bist erschlagen von dem breiten Angebot im Geschäft. Völlig verzweifelt gehst du zum Buchhändler und fragst ihn, welche Liebesromane er dir gerade empfehlen kann. Der Buchhändler ist allerdings ein leidenschaftlicher Krimi-Leser und liest daher keine Liebesromane. Wird er dir trotzdem ein Buch empfehlen können?

Ja, wird er. Denn sein Job ist es, Bücher zu verkaufen. Damit verdient er seinen Lebensunterhalt, sowie der Immobilienmakler mit dem Verkauf von Immobilien. Dabei muss ein Immobilienmakler nicht jede Immobilie selbst bewohnt haben, um sie dir empfehlen zu können. Wichtig ist, dass er dir Fragen zur Quadratmeterzahl, dem Ausblick, der Verfügbarkeit von Läden in der Nachbarschaft und dem Vorhandensein von Möblierung in der zu verkaufenden Immobilie beantworten kann. So ist das auch bei Buchhändlern: Sie müssen wissen, welche Titel gerade bei anderen Käufern gut ankommen und um was es geht, damit er dir ein Buch empfehlen kann. Dazu muss er es nicht selbst gelesen haben, sondern vertraut auf die Empfehlungen vom Verlag und auf das Kaufverhalten seiner anderen Kunden.

Ein Buchblogger, der dein Buch bewirbt ohne es zu rezensieren, darf das auch. Vorab sollte er prüfen, ob das Buch seinen Followern gefallen könnte, um seine Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Entweder bloggt er zum Beispiel für bestimmte Verlage, die bereits die Qualität des Buches geprüft haben oder er muss sich intensiv mit dem Selfpublisher auseinandersetzen, dessen Buch er vorstellen soll.

Buchblogger Lea von Liberiarium mit Nach oben führt auch ein Weg hinab
Mit Lea von Liberiarium hatte ich eine bezahlte Kooperation. Auf ihrer Webseite findest du ihre Pakete, die sie für Autoren anbietet. Lea hat mein Buch nicht gelesen, sondern auf YouTube und Instagram vorgestellt. Die Zusammenarbeit lief sehr transparent ab, Lea spricht sich sehr gut mit einem ab über Postingzeitraum und Idee für die Umsetzung. Außerdem achtet sie darauf, dass die vorgestellten Bücher auch zu ihrer Zielgruppe passen. Nach der Aktion gab es auch einige Bestellungen im Shop, die Lea direkt zuzuordnen sind. Hier findest du das YouTube Video, in dem mein Buch vorgestellt wird.

Wie viel darf ein Buchblogger kosten?

Das kommt darauf an. In vielen Branchen gehen sechsstellige Beträge über den Tisch, wenn Werbedeals unterzeichnet werden. In der Buchbranche ist das nicht üblich. Ein Preis setzt sich aus Angebot und Nachfrage zusammen. Da es viele Buchblogger gibt, die dir eine Rezension schreiben oder dein Buch auf ihrem Blog vorstellen, dafür, dass sie dein ebook kostenlos lesen dürfen, senkt dieses günstige Angebot den Preis auf dem Markt. Trotzdem haben gerade Buchblogger mit Followerzahlen im Fünfstelligen Bereich erkannt, dass Bloggen viel Arbeit ist, es bis zu einer solchen Reichweite ein langer Weg war und es durchaus Autoren gibt, die bereit sind, für die Arbeit von Buchbloggern Geld auszugeben. Dabei muss man aber auch bedenken, dass man als Autor oft nicht viel verdient, sodass nicht so viel Geld fürs Marketing zur Verfügung steht, wie in anderen Branchen.

Wenn du wissen willst, ob sich die Kooperation mit einem Buchblogger preislich lohnt, rechne einmal nach, wie viele Bücher durch seine Empfehlung verkauft werden müssen, damit du diesen Betrag wieder drinnen hast. Kostet dich die Empfehlung eines Bloggers zum Beispiel 100 € und du verdienst 2 € pro verkauftes Buch, müssten mindestens 50 Bücher verkauft werden, damit das Geld fürs Marketing wieder drinnen ist. Ist das realistisch? Lass uns einmal über die Wirkung von Marketing sprechen.

Wie ist der Erfolg eines Buchbloggers messbar?

Zum einem kannst du die Verkaufszahlen beobachten, an dem Tag, an dem der Blogger dein Buch empfohlen hat. Oftmals ist gerade Influencermarketing allerdings ein schleichender Prozess. Im Durchschnitt muss ein Kunde ein Produkt bis zu zehn Mal gesehen haben, damit er sich zum Kauf entschließt. Wenn dein Buchblogger also die siebte Empfehlung in der Kette ist, wird der Erfolg vielleicht erst später sichtbar. Bei manchen Lesern landet das Buch aufgrund eines riesigen SuBs auch erstmal auf der Wunschliste und wird später erst angeschafft. Und dann empfiehlt vielleicht einer der Käufer das Buch weiter und löst damit einen Schneeballeffekt aus. Der Erfolg ist also nicht wirklich in konkreten Zahlen messbar.

Wie viele Buchblogger sollte man haben?

Die Antwort dieser Frage hängt von deinem Budget ab. Denn selbst ein Buchblogger, der nur ein kostenloses ebook von dir bekommt, kostet dich Geld: Nämlich den entgangenen Gewinn, den du erhalten hättest, wenn der Blogger sich das ebook selbst gekauft hätte.

Ich persönlich habe mich für eine Mischung entschieden. Ein festes Bloggerteam, das mich regelmäßig unterstützt und voll und ganz hinter mir und meinen Büchern steht, reine Rezensenten, die ein Rezensionsexemplar erhalten und ein paar größere Buchblogger, die ihre Leistung auch bezahlt bekommen. Wie viele das insgesamt sind, hängt wie gesagt vom Budget ab. Für mein erstes Buch habe ich vorher eines festgelegt, das etwas höher ausfiel, um einige Marketingmöglichkeiten zu testen und überhaupt erst bekannt zu werden. Bei meinem zweiten Buch wird das Budget um einiges geringer ausfallen, weil ich jetzt mehr Erfahrungen habe, welche Maßnahmen gut laufen und welche nicht.

Fazit: Bezahlte Kooperationen in der Buchbranche

Nachdem ich Nach oben führt auch ein Weg hinab veröffentlicht habe und auch bezahlte Kooperationen hatte, kann ich sagen: Ja, würde ich wieder machen. Wichtig ist, dass die Buchblogger sich auch ohne das Geld für das Buch interessieren würden, sodass die Werbung auch authentisch ist. Eine gute Mischung aus Rezensenten, Buchbloggern die sich über einen materiellen Anreiz freuen und einigen bezahlten Kooperationen hat mir persönlich sehr gut gefallen. Die Mischung hängt von deinem Budget fürs Marketing ab. Ich würde allerdings nicht zu viele bezahlte Kooperationen eingehen, sondern mir diese wirklich gezielt und strategisch aussuchen.

Mir persönlich ist eine gegenseitige Wertschätzung sehr wichtig: Immerhin arbeite ich über Monate an einem Buch, ohne wirklich viel damit zu verdienen. Ich schreibe aus Leidenschaft, weil ich es liebe Geschichten mit der Welt zu teilen und Leser in andere Welten zu entführen. Aber auch Buchblogger haben einiges an Arbeit. Eine große Reichweite aufzubauen kostet Jahre, Fotos und Konzepte auszuarbeiten ist ebenfalls sehr zeitaufwendig und Erfahrungen und Rezensionen schreiben sich auch nicht innerhalb von ein paar Minuten. Macht euch bewusst, was für einen Arbeitsaufwand der jeweils andere hat, aber auch, welchen Mehrwert ihr euch gegenseitig bieten könnt.

Wie stehst du zu bezahlten Kooperationen? Gehst du welche ein oder ist das für dich verschwendetes Geld?